Gesundheitsprophylaxe gegen Hüft- und Ellbogen- Gelenkdysplasie / Teil 2

Der Rassestandard als Gesundheitsprophylaxe gegen Hüft- und Ellbogengelenkdysplasie in der Hundezucht ? – Teil 2


Überdies steht für die Klassifizierung die weitere Einteilung nach dem ED-Score nach Lang zur Verfügung. Bei dieser Einteilung ergeben sich Scores zwischen 0 (keine ED) und 21 (schwere ED) aus einer Punkteklassifizierung, die anhand diverser radiologischer Merkmale erstellt werden:

gelenk-tabelle2

Wie bei der Hüftgelenkdysplasie, muss man davon ausgehen, dass sich die Ellbogendysplasie vererbt und damit eine genetische Disposition besteht. Insofern sollen Hunde mit einer ED von der Zucht ausgeschlossen werden – einige Rassezuchtverbände fordern bereits ED-Freiheit bei Hunden, die zur Zucht genutzt werden. Von einigen Rassezuchtverbänden wird überdies zur Einschränkung der ED eine Zuchtwertschätzung durchgeführt, bei welcher die Röntgenaufnahmen von anerkannten Gutachtern beurteilt werden. Um eine Beurteilung zu ermöglichen, müssen beide Ellbogengelenke geröntgt werden – zum Zeitpunkt der Untersuchung müssen die Hunde ein Alter von mindestens 12 Monaten haben. Verlangt wird jeweils eine seitliche Aufnahme (mediolateraler Strahlengang) in 40–90° Beugehaltung sowie eine kraniokaudale in 15° Supination um eine klare Diagnose zu erstellen. Noch effektiver wird die Befundung, wenn zwei mediolaterale Aufnahmen mit Beugewinkeln von 30 und von 100–120° erstellt werden, weil sich so ein isolierter Processus Anconaeus (IPA) sicherer nachweisen lässt.

Behandlung und Prognose


Bei der Behandlung der Ellbogengelenkdysplasie fließt nicht nur die Form der ED, sondern auch das Befinden des Hundes und das Ausmaß der röntgenologischen Untersuchung mit in die Entscheidung der Therapiemethode ein. Meist wird der Tierarzt zu einer Operation raten, die im Idealfall minimalinvasiv mit einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt werden kann. Besteht jedoch zusätzlich eine Inkongruenz im Gelenk, ist die chirurgische Entfernung der losgelösten Fragmente allein nicht ausreichend. Meist wird in diesem Fall ein chirurgisches Durchtrennen (Osteotomie) der Elle durchgeführt. Wie aber schon in den einzelnen Formen der ED beschrieben, können meist alle operativen Maßnahmen das Fortschreiten einer Arthrose nicht verhindern. Ein Einsatz als Gebrauchshund ist mit dem Befund „ED“ nicht mehr möglich.

Bei schweren Formen der ED sollte eine Endoprothese, bei sehr starken Veränderungen sogar eine Versteifung des Ellbogengelenks in Erwägung gezogen werden.

Wie bei der Hüftgelenkdysplasie ist eine unterstützende medikamentöse Therapie mit schmerz- und entzündungshemmenden, meist nichtsteroidalen Antiphlogistika der Weg der schulmedizinischen Behandlung – dass alle allopathischen Arzneimittel Nebenwirkungen haben, setzt voraus, dass eine solche Therapie im Hinblick auf die Gesunderhaltung von Leber, Niere und Magen nicht länger als zwei Monate andauern sollte.

Als alternative Behandlungsformen gelten wie bei der Hüftgelenkdysplasie die Akupunktur, die Elektroakupunktur, Gold-Implantate an bestimmten Akupunkturpunkten oder homöopathische Mittel. Außerdem soll eine tägliche Verabreichung von Gelatine als Granulat ins Futter eine Arthrose verhindern oder zumindest hinauszögern können.

Bei Hunden, die aufgrund der Erkrankung bereits eine schwere Arthrose des Gelenkes gebildet haben, ist die Lahmheit häufig nicht mehr durch die eigentliche Form der ED begründet. Der Schmerz wird durch die Arthrose ausgelöst. Meist kann zwar durch die Arthroskopie und die damit verbundene Durchspülung des Gelenkes eine kurzfristige und deutliche Reduktion der Lahmheit direkt dem Eingriff festgestellt werden, aber diese Verbesserungen sind fast immer von relativ kurzer Dauer.

Auch die Entfernung von freien Knochen-Knorpelfragmenten aus dem Gelenk mit Hilfe der Arthroskopie bei schwerarthrotischer Patienten kann eine kurzfristige Linderung bringen, aber die Arthrose wird in der Operation nicht behoben und führt schnell wieder zur Lahmheit.

Trotzdem gibt es seltene Fälle, in denen eine beginnende ED durch die absolute Schonung und Futterumstellung ausheilen konnten. Sind jedoch freie Gelenkstücke, respektive abgebrochene Knochenfragmente (z.B. bei FPC) vorhanden, sollten sie operativ entfernt werden, um eine Reizung und Entzündung des Gelenkes zu vermeiden.

Gelenkdysplasie

Osteochondrosis dissecans (OCD)


OCD kann wie schon erwähnt, nicht nur im Bereich des Ellbogengelenkes entstehen, sondern grundsätzlich im Bereich aller Gelenksflächen und Wachstumsfugen – besonders betroffen sind vor allem das Schultergelenk, der Ellenbogen, das Knie und das Sprunggelenk -, denn beim Welpen und Junghund wächst der Knochen sowohl in den Wachstumsfugen, als auch im Bereich der Gelenksflächen. Dabei entstehen durch Zellteilung Knorpelzellen, die im Verlauf der Entwicklung in Knochenzellen umgewandelt werden.

  • OCD an den Gelenksflächen

Wenn sich nun die die Knorpelzellen sehr schnell teilen und der Verknöcherungsvorgang an den Gelenksflächen im Gegensatz dazu zu langsam fortschreitet, verdickt sich der Gelenkknorpel und die tiefer liegenden Knorpelzellen werden ungenügend mit Nährstoffen versorgt. Diese Problematik liegt darin begründet, dass der Knorpel selbst keine Blutgefäße enthält und folglich von der Synovia (Gelenksschmiere) versorgt wird. Bei einer extremen Verdickung des Knorpels werden die Knorpelzellen, welche am meisten Abstand zur Gelenksschmiere haben unterversorgt und sterben ab. Wenn sich in der Folge der Gelenksknorpel löst und damit nicht mehr fest mit dem darunterliegenden Knochen verbunden ist, spricht man von einer „Osteochondrose“. Entstehen überdies Risse im Gelenksknorpel, durch welche Gelenksschmiere zwischen Knorpel, Knochen und den abgestorbenen Knorpelzellen eindringen kann, entsteht eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gelenk (Gelenkerguss) – die Kapsel wird gedehnt. Dadurch können sich vom Gelenkknorpel ganze Schuppen abheben und es kommt zu einer Osteochondrosis dissecans. Diese Gelenkfragmente bleiben in den meisten Fällen an ihrem Platz, können jedoch auch als freie Gelenkkörper im Gelenk vorliegen und wandern – man spricht dann von einer „Gelenkmaus“. Durch die Freisetzung der Abbauprodukte der abgestorbenen Knorpelzellen kommt es zu einer Entzündung mit Schmerzen im betroffenen Gelenk. Erst an diesem Punkt der bereits vorangeschrittenen Erkrankung beginnt der Hund zu lahmen. Folgt nun keinen Behandlung, bleibt die Entzündung bestehen, wird chronisch und aus der OCD entwickelt sich meist rasch eine schnell voranschreitende Arthrose, verbunden mit knöchernen Zubildungen im und ums Gelenk sowie der Zerstörung des Gelenks, weil der veränderte oder auch abgelöste Knorpel die wichtigen Aufgaben wie die Stoßdämpfung sowie die Bildung einer Gleitfläche bei der Gelenkbewegung nicht mehr erfüllen kann.

  • OCD im Bereich der Wachstumsfugen

Eine weitere Entwicklungsstörung im Rahmen des OCD Komplexes, die Einschränkungen des Bewegungsapparates führen kann, ist die OCD im Bereich der Wachstumsfugen. Wie bereits beschrieben, kann die Verknöcherung von Knorpelzellen auch in den Wachstumsfugen verzögert sein, was dazu führt, dass Knochen unterschiedlich schnell wachsen – es kommt zu Entwicklungsstörungen von Gelenken, an denen die unterschiedlich wachsenden Knochen beteiligt sind und zu einer ungleichmäßigen Belastung der Gelenke. Überdies können auch Wachstumsfugen von Knochenfortsätzen betroffen sein, die an der Bildung von Gelenken beteiligt sind. Diese Knochenfortsätze können am Knochen abbrechen und – wie bereits bei der Problematik der Ellbogendysplasie beschrieben -, das Gelenk schädigen. Die Folge der OCD sind degenerative Veränderungen im Gelenk, die als Arthrose bezeichnet werden.

Von einer Lahmheit durch eine OCD sind vor allem junge Hunde bis zum Alter von einem Jahr betroffen – hierbei sind besonders Rassehunde (der Labrador und Golden Retriever, der Rottweiler, die Deutsche Dogge, der Bernhardiner, der Deutsche Schäferhund und der Berner Sennenhund), aber auch Mischlinge prädestiniert, die als ausgewachsener Hund mehr als 30 kg wiegen. Wie bei vielen Gelenkserkrankungen, wird auch bei der OCD neben einer genetischen Disposition (der Vererblichkeit) vor allem ein zu schnelles Größen- und Massewachstum zum auslösenden Faktor der Krankheit. Studien ergaben überdies, dass OCD häufiger bei Rüden und seltener bei Hündinnen auftritt.

Ebenfalls wie bei anderen Gelenkserkrankungen, spielt die körperliche Aktivität des Hundes eine große Rolle bei der Entwicklung der OCD. Werden die bereits vorgeschädigten Knorpelstrukturen ständig durch zu viel Bewegung, durch Springen, Toben oder Treppensteigen überlastet, kommt es zur Ablösung des Gelenksknorpels oder zum Abbrechen von Knochenfortsätzen.

Warnsignale, die auf eine OCD hindeuten können, sind alle Lahmheiten, die nach einem Tag Ruhe und Leinenzwang nicht spontan von selbst verschwinden, auch wenn die Bewegungsstörung sich zunächst nur in einer minimalen Lahmheit, in Gegenwehr und Schmerzlauten beim Anfassen äußert. Wird der Schmerz größer, kann das schlussendlich dazu führen, dass die betroffene Gliedmaße gar nicht mehr abgestellt wird. Ebenfalls auffallend ist das Bewegungsmuster: Das erkrankte Bein wird oft nach außen rotiert und gleichzeitig an den Körper gedrückt.

Überdies kann das von der OCD betroffene Gelenk aufgrund der Flüssigkeitsansammlung anschwellen, ohne dass der Hund beim Berühren der Stelle Schmerzen zeigt.

Die Diagnose OCD wird vom Tierarzt mit Hilfe von Röntgenaufnahmen gestellt, auf denen die Veränderungen in den Wachstumsfugen oder das Ablösen von Knorpelscheiben im Gelenk sichtbar sind.

Vor allem wenn frei bewegliche Knorpel- oder Knochenfragmente das Gelenk immer wieder reizen, ist eine operative Behandlung kaum umgänglich. Auch wenn die Narkose mit einem Risiko verbunden bleibt, kann die Behandlung dem Hund wieder ein artgerechtes Leben ohne Schmerzen zurückgeben. Auch wenn vielfach noch die Methode der Eröffnung des Gelenks gewählt wird, wird sie immer öfter von der minimalinvasiven Arthroskopie abgelöst – hierbei  wird die Optik einer kleinen Kamera mit der Dicke einer Bleistiftmine ins Gelenk eingeführt, mit welcher das Gelenk betrachtet werden kann. Über einen zweiten Kanal kann unter Sicht durch die Kamera mit geeigneten Instrumenten im Gelenk operiert werden. Wie bei der konservativen Operationsmethode, werden auch bei der Arthroskopie die abgelösten Knochen- oder Knorpelfragmente entfernt oder fixiert und die degenerative Gelenksknorpelmasse kann von der Unterlage abgekratzt werden.

Gerade bei sehr jungen Hunden, die noch kein Jahr alt sind und bei denen sich noch keine Arthrose gebildet hat, kann teilweise auch auf eine Operation verzichtet werden. Wichtig ist dabei eine strikte Bewegungseinschränkung mit Leinenzwang und entsprechender Fütterung. Vielfach kommen Schmerzmittel- und Entzündungshemmer zum Einsatz, die jedoch auch dazu führen, dass der schmerzfreie Hund wieder viel aktiver wird – ihn ruhig zu stellen wird erschwert. Dazu kommt, dass die Medikamente auch die Nieren und die Leber als Entgiftungsorgane belasten und die Magenschleimhaut angreifen können. Insofern sollten auch alternative Behandlungen wie die Homöopathie oder Phytotherapie in Erwägung gezogen werden.

 

Cauda Equina Syndrom oder degenerative lumbosakrale Stenose (DLSS)


Wenn zu Beginn der Embryonalentwicklung das Rückenmark und die Wirbelsäule gleich lang sind, kann jeder Nervenzweig durch das auf gleicher Höhe befindliche Zwischenwirbelloch (Foramen Intervertebrale) austreten. Allerdings nimmt die Wirbelsäule im Zuge der weiteren Entwicklung mehr an Länge zu als das Rückenmark – in der Folge können die Nervenendigungen somit nicht mehr auf gleicher Höhe aus dem Wirbelkanal (Canalis Vertebralis) austreten. Statt dessen verlaufen sie im Wirbelkanal bis zu der entsprechenden Austrittstelle. Vom Ende des Rückenmarkes (Conus medullaris) am Lenden-Kreuz-Übergang enthält der Wirbelkanal nur noch die dichte Masse von langen, nach hinten verlaufenden Nervenwurzelstängen („Cauda equina“) des Plexus sacralis, der für die Versorgung der Muskeln des Beckens und des Schwanzes sowie der meisten Muskeln der Hintergliedmaße zuständig ist. Aufgrund der Ähnlichkeit der Nervenwurzelstränge mit einem Pferdeschwanz, werden sie als Cauda Equina bezeichnet. Die untersten Nervenwurzeln treten durch das Kreuzbein aus.

Die Ursache der neurologischen Erkrankung sind degenerative Veränderungen der Wirbelsäule. Betroffen ist dabei primär der der Übergang vom letzten Lendenwirbel (L7) zum ersten Kreuzwirbel (S1), seltener betrifft die Erkrankung den Übergang vom vorletzten zum letzten Lendenwirbel (L6–L7). Grund dafür ist die Problematik, dass der letzte Lenden- oder erste Kreuzwirbel häufig als sogenannter „Übergangswirbel“ ausgebildet ist, was bedeutet, dass er Baumerkmale des jeweils anderen Wirbelsäulenabschnitts zeigt, was häufig mit einer Instabilität verbunden ist. Dazu kommt, dass der Wirbelkanal an dieser Stelle der Wirbelsäule sehr flach ist und der Lenden-Kreuz-Übergang beim Laufen und Springen ständiger Belastung ausgesetzt ist.

Oft tritt im Alter von drei bis fünf Jahren, aber auch häufig bei älteren Hunden eine Absenkung des Kreuzbeins, verbunden mit einer Arthrose ein. Dabei kommt es zu Umbauvorgängen an den Wirbeln, zur Verdickung des Zwischenbogenbandes und oberen Längsbandes, zur Subluxation und unter Umständen auch zu einem Bandscheibenvorfall. In der Folge verengt sich der Wirbelkanal mehr und mehr – es entsteht eine Stenose. Weitere Ursachen für die Verengung können auch Tumore im Wirbelkanal, Luxationen und Frakturen sowie entwicklungsbedingte Veränderungen (zum Beispiel eine Osteochondrosis dissecans der Wirbelendplatte des Kreuzbeins) sein. Auch angeborene Verengungen kommen vor – betroffen sind hiervon vor allem kleinere Hunderassen.

Der Verengungsvorgang übt zunehmend mechanischen Druck auf die dort befindlichen Nervenstränge aus, wodurch eine Kompression der Nervenwurzeln am Ende des Rückenmarks (Cauda equina) entsteht, die von einer Schädigung der Nervenfasern begleitet sein kann. Überdies kann es zu einer Blutunterversorgung kommen, wenn die Kompression auf die versorgenden Blutgefäße einwirkt. Neben zusätzlichen Nervenschädigungen geht dieser Vorgang auch mit starken Schmerzen und Lähmungserscheinungen einher.

Meist zeigen sich die ersten klinischen Symptome in einer tiefer getragenen Rute, die im Verlauf der Krankheit – die sich über Monate und sogar Jahre hinziehen kann – durch die progressive Lähmung immer schlaffer herabhängt. Auch das Treppensteigen oder das Springen fällt dem Hund zunehmend schwerer – er reagiert widerwilliger auf Befehle und kann beispielsweise nicht mehr selbst ins Auto einsteigen oder ist allgemein lauffauler und vorsichtiger, wenn er sich bewegt. Allerdings entwickelt sich die lumbosakrale Stenose sich eher schleichend, sodass die Veränderungen zunächst nicht auffallen oder mit Alterserscheinungen erklärt werden. Die Ursache sind jedoch Schmerzen und Lähmungserscheinungen im betroffenen Bereich. Nach ausgedehnten Ruhephasen verbessert sich das Gangbild meist und die Schmerzhaftigkeit verringert sich, während eine Verschlechterung bei größerer Belastung zu erkennen ist, obwohl der Hund sich zunächst „einzulaufen“ scheint und besser läuft.

Im weiteren Verlauf der degenerativen neurologischen Erkrankung stellen sich leichte Lähmungserscheinungen (Paresen) ein, die zunächst an einer stärkeren Winkelung der Hintergliedmaße und einem „schleifenden Gang“ zu erkennen sind. Sichtbar werden dabei die auf der Vorderseite stärker abgenutzten Krallen der Hinterpfoten (Zehenschleifen). Bei Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu Muskelatrophie der Hinterhandmuskulatur und die Nervenwurzeln sterben nach und nach ab. In der Folge kommt es zu und zu Kot- und Harninkontinenz, weil die Schließmuskeln von After und Blase gelähmt sind – die Blasen- und Mastdarmfunktion unterliegt im fortgeschrittenem Verlauf oft nicht mehr der eigenen Kontrolle des Hundes. Es treten auch Sensibilitätsstörungen im analen Bereich und im Bereich der Genitalien sowie an der Innenseite der Hinterläufe auf. Auch eine Lähmung der Hintergliedmaßen ist möglich, wobei die Oberflächensensibilität in der Regel nicht beeinträchtigt ist.

Auch für das Cauda-equina-Syndrom gibt es eine genetische Disposition und besonders betroffen sind vor allem große Hunderassen, die ausgewachsen mehr als 25 kg wiegen, wie der Siberian Husky, der Riesenschnauzer, der Boxer, der Dobermann und der Rottweiler. Ganz besonders häufig kommt das Cauda-equina-Syndrom beim Deutschen Schäferhund vor und die Ausnahme stellt der Pudel dar, der auch als kleinerer Hund öfter betroffen ist.

Ein Faktor, der die degenerative neurologische Krankheit begünstigt, ist auch der Hundeleistungssport.

Behandlung und Prognose


Meist liefern die ersten Symptome (Schmerzreaktion im Lenden-Kreuz-Bereich bei Überstreckung der Rute und der Hüftgelenke sowie kräftigem manuellen Druck auf den Lenden-Kreuz-Übergang), die Krankengeschichte (Anamnese) und eine ausführliche klinisch-neurologische Untersuchung dem Tierarzt schon ausreichend Hinweise, ob ein Cauda Equina Syndrom vorliegt.

Allerdings gibt es auch andere schmerzhafte Prozesse, die ähnliche klinische Symptome zeigen. Hierzu gehören Knochenbrüche, Luxationen, Traumen mit Bluterguss oder Ödem sowie Tumore im Wirbelkanal, Abszesse und Arthrosen des Hüftgelenks sowie die Kokzygeale Myopathie.

Auch die Röntgendiagnositik kann im Bereich der Stenosen – vor allem wenn eine seitliche Verengung vorliegt – Unklarheiten zurücklassen. Eine Kontrastmitteluntersuchung (Myelografie) kann die Diagnose sichern oder widerlegen, wobei auch hier zu beachten ist, dass die Hülle der harten Hirnhaut (Dura mater) in 20 % der Fälle nur bis zum letzten Lendenwirbel reicht. Eine Diagnosesicherheit bieten lediglich die leider auch teuersten Untersuchungsverfahren, die Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT), die überdies nur an wenigen tiermedizinischen Einrichtungen verfügbar sind.

Solange die Krankheit nicht so weit fortgeschritten ist und lediglich eine Schmerzsymptomatik vorliegt, verspricht die konservative Therapie durchaus Erfolge. Allerdings hängen diese sehr davon ab, ob es dem Besitzer gelingt, seinen Hund ihn von übermäßigem Bewegungen abzubringen, denn die strikte Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Leinenzwang gelten als oberstes Gebot – gerade bei sehr temperamentvollen Hunden kann es schwer sein, sie zur Ruhe zu ermahnen, damit die arthrotischen Prozesse durch geringere Belastung des Lenden-Kreuz-Übergangs abheilen.

Die Gabe von entzündungshemmenden Glukokortikoiden kann zusätzlich unterstützend wirken. Bei übergewichtigen Hunden wird eine Diät zur Gewichtsreduktion angeraten, damit die Wirbel entlastet werden.

Entscheidet man sich für einen operativen Eingriff beim erkrankten Hund, zielt der darauf ab, die Raumforderung zu verbessern und damit den Druck auf die Cauda equina zu beseitigen, indem der Wirbelbogen, das Dach des Kreuzbeins, entfernt wird (Laminektomie) – der Druck auf den Rückenmarkskanal wird entfernt und es bildet sich eine bindegewebsartige Platte, die das Rückenmark schützt. Ebenfalls möglich ist die Entfernung krankhaft veränderter Wirbelsäulenteile wie des Zwischenbogenbandes, der Bandscheibe, der Gelenkfortsätze (Fazettektomie) sowie die Erweiterung der Nervenaustrittslöcher (Foraminektomie) oder die Stabilisierung des Lenden-Kreuz-Ubergangs mittels geeigneter Osteosyntheseverfahren.

Wenn die Operation durchgeführt erden kann, solange noch keine deutlichen Lähmungen aufgetreten sind, ist die Prognose gut, denn die Nervenfasern der Cauda equina haben – im Gegensatz zum Rückenmark – ein recht hohes Regenerationsvermögen.

 

Das Skelett des Hundes


Gesunde Gelenke sind also eine sehr wichtige Grundlage des Skeletts, denn sie formen die Verbindung zwischen den Knochen und bilden je nach Winkelung der Gliedmaßen  unterschiedliche Hebel, welche wiederum durch Sehnen und Muskeln verbunden werden, wobei die Muskeln auf der Grundlage mechanischer Gesetze den aktiven Teil des Bewegungsapparates darstellen und auf die Hebel der Gelenke wirken, indem sie durch Kontraktionen ihre Bewegungen ermöglichen, während das Skelett der passive Teil ist, denn es dient dem Halt, der Form und der Stabilität des Körpers.

An Stellen, an denen große Kräfte angreifen, wie zum Beispiel am Ellbogen- und Sprunggelenkhöcker befinden sich zweiarmige Hebel.

Insgesamt besteht das Skelett des Hundes aus 321 Knochen und Knorpeln, die zusammengefügt durch Gelenke und Bänder Gliedmaßen und Säulen, aber auch Hohlräume, wie zum Beispiel in der Schädelhöhle, in welcher das Gehirn sicher geborgen liegt, Körbe wie beim Brustkorb, der die empfindlichen Organe schützt und Kapseln, wie zum Beispiel beim Hüftgelenk.

Weitere Funktionen des Skeletts, neben den bereits erwähnten, erfüllt es

  • als Speicherplatz für Mineralsalze ( Calcium ),
  • als Produktionsort von Blutzellen (Knochenmark )
  • und als Ansatzpunkt für die Muskeln.

a) Knochen

Knochen sind harte, aber dennoch elastische Gebilde. Sie bestehen aus Knochengewebe (verkalktes Bindegewebe). Die Formen der Knochen ergeben sich aus ihren Aufgaben, also der Stützung, der Fortbewegung und der Hohlraumbildung und so findet man im Skelett

  • lange röhrenförmige, kurze würfelförmige (Gliedmaßen, Gelenke)
  • breite und flache (Schädelhöhe, Kiefer, Schulterblatt, Becken)
  • spangenförmige (Rippen)
  • ringförmige, mannigfaltig gestaltet mit Fortsätzen (z. B. Wirbelsäule).

b) Bänder und Gelenke

Bänder und Gelenke verbinden die Knochen der Gliedmaßen und die Wirbel beweglich aber teilweise auf unterschiedliche Art und Weise miteinander:

  • Knie, Hüfte, Ellenbogen und Schulter durch Gelenke
  • Wirbelsäule, Rute durch Binde- oder Knorpelgewebe
  • Schulterblatt mit Rumpf durch Muskulatur

Den Zusammenhalt der flexibel verbundenen Knochen sichern starksehnige Haft- und Führungsbänder

c) Schädelskelett (bestehend aus Hirnschädel, Gesichtsschädel, Oberkiefer, Jochbein und  Unterkiefer

Der Schädel ist aus mehreren platten Knochen zusammengesetzt und durch Nähte verbunden, welche bei der Geburt noch offen sind, um die Passage der Welpen durch das mütterliche Becken zu erleichtern und in der Wachstumsphase zu verknöchern beginnen.

Der obere Teil des Schädels wird als Hirnschädel bezeichnet, denn in ihm liegt durch die knöcherne Hülle geschützt das Gehirn. Er unterteilt sich in verschiedene Partien wie zum Beispiel das Stirnbein, das Schläfenbein oder das Scheitelbein.

Oberkiefer, Jochbein und Unterkiefer zählen hingegen zum Gesichtsschädel, weil das Oberkieferbein der größte Knochen im Schädel ist und darum auch das Aussehen des Gesichtes prägt. Bestimmend für die Breite des Schädels, die je nach Rasse unterschiedlich stark ausgebildet sein kann, ist das Jochbein, welches als paariger Knochen angelegt ist, der einen Teil der Wand von Nasenhöhle und Augen bildet.

Der Unterkiefer besteht aus zwei Knochen, die miteinander durch Faserknorpel gelenkig verbunden, bzw. verwachsen sind. An seiner Seite bietet er die Ansatzfläche für den großen Kaumuskel, denn Ober- und Unterkiefer sind zahntragende Knochen.

d) Rumpfskelett (bestehend aus Wirbelsäule, Rippen, Brustbein)

Die Wirbelsäule, an die sich alle übrigen Skeletteile gliedert, besteht aus einzelnen Wirbeln, in deren Innerem der Wirbelkanal mit dem Rückenmark, den Nerven und Blutgefäßen verläuft und dazwischen liegenden knorpeligen Scheiben.

Eine Ausnahme im Aufbau bilden jedoch einerseits die unteren Kopfgelenke oder Atlanto-axialgelenke (Articulatio atlantoaxialis), also das Gelenk zwischen Hinterhauptbein und dem ersten Halswirbel, welcher als Atlas bezeichnet wird und die Funktion als Kopfträger erfüllt, der das Nicken des Kopfes möglich macht, sowie das zwischen dem ersten und dem zweiten Halswirbel, das man auch Axis nennt und der es dem Hund ermöglicht auch drehende Bewegungen des Kopfes auszuführen und andererseits der siebte Wirbel, welcher eine zusätzliche Fläche für den Ansatz an das erste Rippenpaar besitzt.

Die Wirbelsäule ist je nach Aufgabenbereich mehr oder weniger beweglich. Nach oben und seitlich haben die Wirbel verschieden geformte Fortsätze, die den Muskeln als Ansatz dienen, von denen die oberen Dornfortsätze und die seitlichen Querfortsätze genannt werden.

Besonders gut zu ertasten sind die Dornfortsätze der dreizehn Brustwirbel, aus denen sich der Widerrist formt. Die ersten zehn von ihnen sind leicht nach hinten geneigt und nehmen in ihrer Länge allmählich ab. Der zehnte steht etwas senkrecht, die nachfolgenden sind leicht nach vorne geneigt.

Auch die entsprechend der Anzahl der Brustwirbel ebenfalls dreizehn Rippenpaare setzen an ihnen an und bilden zusammen mit dem Brustbein, das aus verknöcherten Folgestücken besteht und welches man unter dem Bauch dort erfühlen kann, wo die echten Rippen durch Rippenknorpel an den seitlichen Gelenkflächen des Brustbeins verbunden sind, den Brustkorb, einen stabilen Schutzraum für die lebenswichtigen Organe wie Herz und Lunge, der obwohl aus knöcherner Substanz doch von erstaunlicher Flexibilität sind und somit auch mechanisch den Atemvorgang unterstützt.

Doch nicht alle Rippen verschmelzen mit ihren Knorpeln zum Rippenbogen, denn es sind nur neun sogenannte „wahre Rippen“ die direkt an das Brustbein angelagert und nahezu unbeweglich sind und die den Schultergliedmaßen als Anhängepunkte dienen – die vier sogenannten „falschen Rippen“, freie Rippen oder „Fleischrippen“ fügen sich mit ihren knorpeligen Endstücken aneinander, sind durch Muskeln miteinander und mit dem Brustbein verbunden und bilden so den beweglichen Rippenbogen, der für die Atmung entscheidend ist. Die Übergänge von den Rippen zu den Knorpelstückchen kann man bei jungen Hunden oder auch sehr schlanken Hunden ertasten.

An die dreizehn Brustwirbel schließen sich sieben Lendenwirbel an, deren lange und ausgeprägte Querfortsätze die beste Voraussetzung zur Einlagerung der großen Bauchmuskeln, welche als Stütz- und Haltemuskulatur funktionieren und die dort ansetzen und zum Abstützen der Bauchwand dienen.

Es folgen dann die drei Kreuzwirbel, die schwanzwärts an Höhe verlieren und ungefähr im Alter von einem Jahr zu einem dreieckigen Knochen, dem Kreuzbein zusammenwachsen, welches mit der Lendenwirbelsäule im vorderen Teil mit dem Becken und seinen beiden knöchernen Hüftbeinen verbunden ist und somit die Hintergliedmaße mit dem Rumpf verbindet – gemeinsam gewährleisten sie die Kraftübertragung der hinteren Gliedmaße auf die Wirbelsäule.

Je nach Rasse besteht die Rute unseres Hundes aus 20 – 23 Schwanzwirbeln. Der ersten Wirbel ähneln noch den Kreuzwirbeln, aber zum Ende der Rute hin werden sie dann immer kleiner. Die kleinen, letzteren zeigen dann kein wirbelähnliches Aussehen mehr, sondern nehmen die Form walzenförmiger Knochen an und sehen mehr aus wie Stäbchen.

Insgesamt hat der Hund also wie fast alle Säugetiere 50 bis 53 Wirbel, die sich unterteilen in:

  • 7 Halswirbel
  • 13 Brustwirbel
  • 7 Lendenwirbel
  • 3 Kreuzwirbel
  • bis 23 Schwanzwirbel

und zusammen als Wirbelsäule bezeichnet werden.

Sie ist das Zentrum des Achsenskeletts und geht vom Schädel bis zur Schwanzspitze.

Obwohl sie flexibel ist und Beweglichkeit ermöglicht, gibt sie dem Körper des Hundes auch gleichzeitig Halt und Stabilität.

Wirbel bestehen in der Regel aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen und die Wirbelbögen, welche die Wirbellöcher formen – hintereinander aufgereiht zur Wirbelsäule – bilden den Wirbelkanal, in welchem das Rückenmark sicher umhüllt von den Wirbeln bis zum Bereich der Lendenwirbel verläuft, denn in den Schwanzwirbeln befindet sich kein Rückenmark.

Alle Wirbel sind miteinander verbunden durch kurze oder längere Bänder, die sie auch stützen. Dazwischen sitzen Zwischenwirbelscheiben, die sogenannte Bandscheibe. Sie bestehen aus einem äußeren Ring aus Faserknorpel, der eine gallertartige Masse im Inneren hat. Diese Scheiben sind fest mit den Wirbeln verbunden und dienen als Puffer/Stossdämpfer und elastische Verbindung zwischen den Wirbeln.

 

Das Gliedmassenskelett – Vordergliedmassen oder Vorderhand


Die Vordergliedmaße oder Vorderhand trägt 2/3 vom Körpergewicht des Hundes und hat die Wirkung eines Stoßdämpfers, weil sie Erschütterungen abfängt, um sie nicht an den Rumpf weiterzugeben.

Ihren muskulösen Anschluss an den Rumpf findet sie über das Schulterblatt.

DIe Vorderhand besteht aus:

gelenk-tabelle3

 

  • Schulterblätter und Schultergelenk

Die beiden Schulterblätter des Hundes sind durch große Muskelstränge und Sehnenplatten mit dem Brustkorb verbunden und liegen der Brustwand seitlich an.

Hier findet sich auch der Grund für den Rat, junge Hunde – insbesondere großer, schwerer Rassen – nicht springen oder Treppenlaufen zu lassen, denn der Ansatz der Schulterblätter ist nicht verknöchert und die noch nicht gefestigten Bänder überdehnen sich noch leicht, was dann zu einer „losen Schulter“ führen kann.

Das Schulterblatt ist ein dreieckiger, flacher Knochen, dessen Spitze nach unten gewinkelt ist. Je nach Hundetyp ist die Winkelung verschieden, auch wird in den jeweiligen Rassestandards ein bestimmter Winkel festgelegt. Je nach Abweichung spricht man dann von einem zu steilen oder zu flachen Schulter.

Gut zu ertasten sind die Ränder des Schulterblattes und die sogenannten Schulterblattgräten (vordere und hintere Grätengrube) bei unserem Hund, denn sie sind auf der vom Brustkorb abgewendeten Seite etwas hervorgewölbt. Die dem Brustkorb zugewendeten Seite ist gebogen und passt sich dadurch der seitlichen Brustwand an. Hier sind auch die Flächen, an welchen die Muskeln sich ansiedeln. Die nach unten zeigende Spitze des Knochen – Dreiecks bildet eine schalenförmige Gelenkpfanne, in die der kugelförmige Gelenkkopf des Oberarmknochens passt und somit das Schultergelenk bildet.

Obwohl es seiner Form nach ein Kugelgelenk ist, führt es aber nur Streck- und Beugebewegungen aus, da es durch straffe Bänder, sowohl innen wie auch außen entlang des Schultergelenks in der Bewegung so eingeschränkt wird, dass keine Drehbewegung oder nur eine sehr bescheidene, – welche zwar unerwünscht ist, jedoch in den meisten Rassestandards toleriert wird -, möglich ist.

  • Oberarmknochen

Der mit dem Schultergelenk verbundene lange Oberarmknochen, ein Röhrenknochen, erstreckt sich bis zum Ellbogengelenk. Der obere Teil (zum Schulterblatt hin) ist der Gelenkkopf und der untere Teil (zum Ellenbogengelenk hin) bilden die inneren und äußeren Gelenkknorren und die Gelenkrolle. Das Oberarmbein kann nur wenig nach vorn, dafür aber weit nach hinten gebeugt werden, denn es ist ein reines Wechselgelenk und kann keine Drehbewegungen ausführen.

  • Unterarm (bestehend aus Elle, Speiche und Ellbogengelenk)

Die Verbindung zwischen Ober- und Unterarm, der sich aus Speiche und Elle bildet, schafft das Ellbogengelenk.

An ihrem oberen Ende kommt die Speiche durch ihren Gelenkkopf (auch Radiuskopf genannt) mit der Elle und der Gelenkrolle, also dem unteren Teil des Oberarmknochens zu einem Scharniergelenk zusammen, welches das Ellenbogengelenk darstellt, während sie am unteren Ende mehrere Gelenkflächen für das Vorderfußwurzelgelenk ausgebildet hat.

Die Elle trägt selbst kein Gewicht und so ist sie der kleinere und feinere Knochen des Unterarmes, welcher als Hebel für das Ellbogengelenk dient. Sie ist auch nur am oberen, dem Ellbogengelenk zugewandten Teil voll ausgeformt und verfügt darum dort auch über breite Ansätze für die Muskulatur, während sie im unteren Teil, ebenso wie die Speiche, zusammen mit dem Griffelfortsatz eine Gelenkfläche für die Vorderfußwurzelknochen bietet.

Diese Gelenke sind durch sogenannte Führungskämme und Führungsschienen sehr stabil miteinander verbunden und ermöglichen nur eine Beuge- und Streckbewegung. Zusätzlich halten das Gelenk und die Knochen noch straffe Bänder an ihrem Platz.

  • Vorderfußwurzel, Vordermittelfußknochen und Zehenglieder

Die Vorderfußwurzel wird auch Handwurzel genannt und besteht aus mehreren, durch eine gemeinsame Gelenkkapsel verbundene Knochen, von denen sieben relativ kleine Knochen das Vorderfußwurzelgelenk bilden.

An diese schließen sich vier Vordermittelfußknochen an, zu denen sich noch ein kürzerer Knochen, der nicht die ganze Länge erreicht gesellt und welche zum Vorderfußwurzelgelenk gerichtet eine Gelenkfläche zur Verbindung mit dem Vorderfussknochen und am Ende zu den Zehenknochen hin eine Gelenkrolle für die Verbindung zu diesen Zehengliedern haben.

Hunde haben vorne zusammen mit der höher angesetzten Daumenzehe fünf und hinten vier Zehen, wobei bei einigen Rassen auch am Hinterbein eine fünfte Kralle, die sogenannte Wolfskralle vorhanden ist, die jedoch keine knöcherne Skelettbestandteile besitzt.

Alle Zehenglieder setzen sich zusammen aus drei Knochen:

  • dem Fesselbein
  • dem Kronbein
  • und dem Krallenbein

sowie drei Sesambeinen – als Sesambeine (lat. Os sesamoideum)  bezeichnet man jene kleinen Knochen, in welche eine Sehne eingelagert ist, um so für einen zusätzlichen Abstand zu dem Knochen zu schaffen, an welchen die Sehne angelagert ist. Dadurch entsteht unter anderem auch ein größerer Hebel für die Sehne, so dass der Kraftaufwand geringer wird, um den mit der Sehne verbundenen Knochen zu bewegen. Eine weitere Aufgabe kommt den Sesambeinen im Bereich des Schutzes vor Verschleiß und Schädigung durch Druckbelastung bei ihrem Verlauf über das Gelenk zu.

 

Das Gliedmassenskelett – Hintergliedmaßen oder Hinterhand


Sie setzen sich zusammen aus Becken, Oberschenkelknochen, Unterschenkelknochen, bestehend aus Schien- und Wadenbein, Mittelfuß- und Zehenknochen, sowie dem Knie- und dem Sprunggelenk. Durch die Hintergliedmaße ist unser Hund in der Lage sich aktiv fortzubewegen, denn dort ist eine besonders kräftige Muskulatur zu finden, über die er den Schub entwickelt, die ihn vorantreibt.

Dadurch dass das Becken Anschluss an den Rumpf findet, kann diese Energie über das Hüftgelenk und das Becken auf das Kreuzbein und die Wirbelsäule übertragen werden und so ist es auch möglich, dass sich Hinterhand und Vorhand koordiniert bewegen

 

Die Hinterhand- oder auch Beckengliedmaßen sind:

gelenk-tabelle4

  • Becken und Kreuzbein

Das Becken ist ein offener Knochenring, der im Körper schräg von vorn oben nach hinten unten geneigt  gelagert ist und aus den beiden ebenfalls knöchernen Hüftbeinen gebildet wird, die wiederum mit dem Kreuzbein verbunden sind und sich durch die Beckenfuge vereinen.

Die beiden Hüftbeine besteht wiederum jeweils aus

  • Darmbein
  • Schambein
  • und Sitzbein

welche in der Gelenkpfanne zum Hüftgelenk wieder zusammenstoßen.

Diese Verbindung ist im Jugendstadium noch knorpelig, verwächst aber im ersten Jahr zu einem einheitlichen Knochenstück, weshalb auch das HD-Röntgen erst sinnvoll ist, wenn das Größenwachstum mit ca. 12 Monaten weitgehend abgeschlossen ist.

Bei unserem Hund besteht

  • der Beckenboden aus Scham- und Sitzbein
  • das Beckendach aus Kreuzbein und Darmbeinflügeln
  • der Beckeneingang aus Schambeinkamm, Darmbeinsäulen und Kreuzbein
  • der Beckenausgang aus Sitzbeinausschnitt, breiten Beckenbändern und der Wirbelsäule

Der Beckenausgang formt bei der Hündin den Geburtskanal und dessen breite Beckenbänder lockern sich kurz hormonell gesteuert vor dem Geburtsvorgang, werden weicher, nachgiebiger und flexibler und ermöglichen so den Welpen eine leichtere Passage durch das Becken.

Die Knochen des Beckens dienen den Muskeln der Hinterhand zur Anheftung. Darmbein und Kreuzbein bilden die knöcherne Grundlage der Kruppe.

Wie bereits beim Rumpfskelett und der Wirbelsäule beschrieben, ist das Kreuzbein ein dreieckig geformter Knochen, welcher im Alter von ca. einem Jahr aus den drei Kreuzwirbeln zusammenwächst und mit der Lendenwirbelsäule verbunden ist und somit die Hintergliedmaße mit dem Rumpf verbindet.

Alles zusammen gewährleistet die Kraftübertragung der hinteren Gliedmaße auf die Wirbelsäule.         

  • Hüftgelenk und Oberschenkelknochen

Von der Hüftgelenkspfanne bis zum Kniegelenk reicht der größte Knochen im Hundekörper – der Oberschenkelknochen.

Er ist durch das Kniegelenk mit dem Unterschenkel verbunden.

An seinem oberen Ende, dem Hüftgelenk zugewendet, bildet er den Gelenkkopf, der in die Gelenk Gelenkpfanne des Hüftgelenks passt, während er am unteren Ende, in Richtung des Kniegelenkes einen äußeren und einen inneren Gelenkknorren und die Kniescheibenrolle besitzt

Das Hüftgelenk stellt die Verbindung zwischen Becken und Oberschenkel her und ist ein Kugelgelenk, was bedeutet, dass sich der obere Kopf im Gelenk drehen kann, aber durch starken Sehnen, die das Gelenk einkapseln, ist diese Bewegungsfreiheit eingeschränkt, denn die Drehung nach vorn ist deutlich besser möglich, als die nach hinten und nach innen und außen zur Seite hin, ist sie sogar nur sehr eingeschränkt möglich.

 

  • Kniegelenk und Kniescheibe

Das Kniegelenk ist ein sogenanntes inkongruentes Gelenk, was bedeutet, dass sich nicht wie bei den anderen Gelenken die beiden Gelenkflächen miteinander übereinstimmen und somit exakt passend ineinander greifen – statt dessen befindet sich dort der Meniskus, bestehend aus Knorpelscheiben, welche einen Ausgleich schaffen.

Stabilität geben dem Kniegelenk die daran angelagerten Kreuz und Seitenbänder, während das dort angelagerte größte Sesambein im gesamten Skelett, die pyramidenförmig aussehende Kniescheibe, in welche die Endsehne des Kniegelenkstreckers – die Musculus quadriceps femoris – eingelagert ist, es an seinem Platz hält. Durch diese Konstruktion kann das Kniegelenk leicht gestreckt werden, ohne dass dazu übermäßig viel Muskelmasse des Oberschenkels nötig wird.

Die Kniescheibe besteht aus einer Gelenkfläche und einer Vorderfläche und sitzt in den Gelenkknorren des Oberschenkelknochens, wo sie sich minimal hin- und herschieben lässt.

Verschiebt sich die Kniescheibe über ein gesundes und so vorgesehenes Maß hinaus, spricht man von einer Patellarluxation, denn dann sind die äußeren und inneren Furchen in der Regel nicht genügend ausgebildet, welche ein übermäßiges Verschieben verhindern.