Gesundheitsprophylaxe gegen Hüft- und Ellbogen- Gelenkdysplasie / Teil 3

Der Rassestandard als Gesundheitsprophylaxe gegen Hüft- und Ellbogengelenkdysplasie in der Hundezucht ? – Teil 3


  • Unterschenkel (bestehend aus Schienbein und Wadenbein)

Ähnlich wie Speiche und Elle im Vorderbein, setzt sich auch das Skelett des Unterschenkels aus zwei Knochen zusammen:

  • dem Schienbein, welches in gleicher Form wie der Oberschenkelknochen am oberen Ende eine Gelenkfläche und einen inneren und äußeren Gelenkknorren hat und am unteren Ende, welches zum Sprunggelenk zeigt, eine Gelenkschraube aufweist
  • und dem Wadenbein, das gleich lang, aber wesentlich dünner wie das Schienbein ist.

An den Unterschenkel schließt sich der Hintermittelfuß an, welcher über das Sprunggelenk Verbindung findet.

  • Sprunggelenk und Hinterfußwurzelknochen

   Das Sprunggelenk unterteilt sich in

  • das Rollengelenk
  • das obere Zwischenreihengelenk
  • und das untere Zwischenreihengelenk
  • und die Hinterfußwurzel oder Mittelfußgelenk

Die Hinterfußwurzelknochen sind aus sieben Knochen aufgebaut, die in drei Reihen angeordnet sind. Die obere Reihe besteht aus zwei Knochen:

  • Rollbein, welches eine gelenkige Verbindung zum Schienbein hat,
  • und dem Fersenbein, welches einen Hebel darstellt und den Ansatz für die Achillessehne bietet.

Die Mittelfuß- und Zehenknochen entsprechen denen der Vordergliedmaße, mit der einen Ausnahme, dass die Hintergliedmaße nur vier Zehen trägt. Sollte eine fünfte vorhanden sein, spricht man von der Wolfskralle, die jedoch keine knöchernen Skelettbestandteile besitzt und bei einigen Rassen verpönt ist und darum auch schon frühzeitig durch Kupieren entfernt wird.

Anatomie-Skelett-550

Das Skelett des Hundes – Knochenaufbau

  1    Gesichtschädel (lat. Viscerocranium)
2    Hinterhauptbein oder Hirnschädel (lat. Neurocranium)

  3    Halswirbelsäule/ 7 Halswirbel (lat. Vertebrae cervicalis)                             

  3a  Atlaswirbel

  3b  Axiswirbel
4    Schulterblatt (lat. Scapula)                                     

  5    Brustwirbel/ 13 (lat. Vertebrae thoracicae)    

  6    Lendenwirbel/ 7 (lat. Vertebrae lumbalis) 

  7    Kreuzwirbel/ 3 – verwachsen zum Kreuzbein (lat. Os Sacrum)

  8    Schwanzwirbel/ 20 bis 23 (lat. Vertebrae caudalis)       

  9    Becken (lat. Os Ileum)           

10    Hüftgelenk (lat. Articulatio coxae)

11    Sitzbein (lat. Os ischii)           

12    Oberschenkelbein (lat. Os femoris)

13    Wadenbein (lat. Fibula)

14    Schienbein (lat. Tibia)

15    Fersenbein (lat. Calcaneus)

16    Hinterfußwurzelknochen (lat. Ossa tarsi)

17    Unteres und oberes Sprunggelenk (lat. Articulatio talocruralis und Articulatio

        talotarsalis)

18    Hintermittelfußknochen (lat. Ossa metatarsalia)

19    Hinterzehenknochen ( Phalanges pedis)

20    Kniegelenk mit Kniescheibe (lat. Articulatio genus mit Patella)

21    Rippenbogen/ 13 Paare (lat. Arcus costalis)

22    Brustkorb (lat. Thorax)

23    Rippenknorpel (lat. Cartilago costalis)

24   Vorderfußwurzelknochen oder Handwurzelknochen (lat. Ossa carpi)

25   Vordermittelfußknochen  (lat. Ossa Metacarpalia)

26   Speiche (lat. Radius)

27   Elle (lat. Ulna)

28   Ellenbogengelenk (lat. Aticulatio cubiti)

29   Brustbein (lat. Sternum)  

30   Oberarmbein (lat. Humerus)

31   Schultergelenk (lat. Articulatio humeri)

32   Unterkiefer (lat. Mandibula)

33   Oberkiefer (lat. Maxilla)

34   Jochbein (lat.Os zygomaticum, Os jugale)                 

Wenn die Gelenke verschleißen – Endstation Arthrose?      


Wenn der Abbau des Gelenkknorpels das übliche alterungsbedingte Maß überschreitet, spricht der Mediziner von einer „Arthrosis deformans“, die man vor allem unter der Bezeichnung Gelenksarthrose kennt. In der Folge dieses Knorpelverschleißes kommt es zu einer Aufrauung und Schädigung der glatten, gleitfähigen Gelenkfläche, zu Umbauprozessen im angrenzenden Knochen und einer Deformierung der Gelenke, welche eine schmerzfreie Bewegung des Gelenkes immer unmöglicher macht. Oftmals treten Knochenzubildungen auf, sodass das Gelenk mit der Zeit versteift ist, aber es kommt auch vor, dass sich die Gelenkkapsel verkleinert.

Man bezeichnet eine solche Problematik als „degenerative Erkrankung“ (Degeneration = Rückbildung). Der Begriff beschreibt im Bereich der Medizin Prozesse, bei denen sich Gewebe – in diesem Fall in den Gelenken – dauerhaft abbauen, zurückbilden oder ihre Funktion verlieren.

Unterschieden wird zwischen der primären und der sekundären Form der Arthrose:

  • Primäre Arthrose – diese Bezeichnung beschreibt eine Form der Gelenksdeformation, respektive des Gelenkverschleißes, der ohne eine erkennbare Ursache auftritt oder ohne dass es dafür ein erkennbares auslösendes Einzelereignis gibt. Als möglicher Grund kommt beispielsweise eine Stoffwechselerkrankung in Frage, wie die Chondrokalzinose (Knorpelverkalkung). Auch eine Überlastung durch eine angeborene oder erworbene Fehlstellung oder eine ungenügende muskuläre Führung des Gelenke durch den fehlenden Aufbau der gelenkführenden Muskulatur kann zu einer primären Arthrose führen. Aber auch das zunehmende Alter mit abnehmendem Stoffwechsel und schlechterer Durchblutung kann eine Rolle spielen. Ein wichtiger Punkt ist überdies die Ernährung des Hundes – sie kann entweder mangelhaft sein, wenn Nährstoffe fehlen oder zu üppig, wodurch der Hund zu dick wird und die Gelenke permanent mit zu hohem Körpergewicht belastet. All diese Faktoren vermindern die Qualität des Knorpels, sodass er weniger elastisch und stabil ist.
  • Sekundäre Arthrose – diese Form der Arthrose kommt häufig als Folge einer traumatischen Gelenksverletzung (Unfall) oder einer bestehenden Arthritis (Gelenksentzündung) vor – sie entsteht als Folgeerkrankung in einem bereits geschädigten Gelenk.

Eine Arthrose beim Hund entwickelt sich meist über einen langen Zeitraum und kann grundsätzlich in jedem Gelenk des Hundes entstehen. Am häufigsten tritt sie jedoch an Gelenken auf, die durch Körperwicht und Bewegung besonders belastet werden. Hierzu gehören

Skelett

  • die Ellbogen (Cubitalarthrose)
  • die Hüften (Koxarthrose)
  • die Knie (Gonarthrose)
  • die kleinen Wirbelsäulengelenke bzw. die Wirbelkörper (Spondylarthrose oder Spondylose)
  • die Gelenke der Pfoten

Meist geht man davon aus, dass die Arthrose beim Hund vor allem zu den Alterserscheinungen gehören. Leider ist aber die Jugend keinesfalls vor frühzeitigem Gelenksverschleiß geschützt, denn die degenerative Erkrankung kann auch bei jüngeren Hunden vorkommen.

Die Entstehung einer Arthrose kann durch viele Ursachen ausgelöst werden, auch wenn es primär zwei Hauptfaktoren gibt:

  • die schlechte Qualität des Knorpelmaterials
  • die falsche Belastung des Gelenks, respektive die Belastung entgegen der von der Natur vorgesehenen Beanspruchung (ungleichmäßige, zu viel oder zu wenig Bewegung, Absprünge aus größeren Höhen beim Training, Treppensteigen)

Überdies können aber auch folgende Faktoren zu einer Arthrose führen:

  • Infektionen oder Autoimmunkrankheiten wie Borreliose
  • Störungen im Stoffwechsel oder im Hormonhaushalt wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion
  • Gelenksentzündung (Arthritis)
  • Gelenkmäuse durch OCD
  • Kreuzbandriss
  • Patellaluxation
  • Hüftgelenksdysplasie
  • Ellbogengelenksdysplasie
  • Spondylose
  • Lahmheiten ungeklärter Ursache
  • Durchblutungsstörungen
  • Übergewicht
  • Nährstoffmangel
  • Einseitige Bewegung
  • zu wenig Bewegung (mangelhafte Führung der Muskulatur)
  • zu viel Bewegung (Überbeanspruchung des Bewegungsapparates und körperliche Überlastung)
  • Durchblutungsstörungen
  • angeborene Fehlstellungen (X-Beine oder O-Beine)
  • Verschleiß durch Alterung
  • Unfälle und traumatische Verletzungen mit Verstauchungen, Prellungen oder Knochenbrüche

Erste Symptome für eine beginnende Arthrose können beim Hund eine leichte Steifheit in der Bewegung, mangelnde Bewegungslust oder eine geringfügige Lahmheit sein. Die kann sich bei kühlen Temperaturen oder nasskaltem Wetter und/oder nach einer längeren Ruhephase verschlimmern. Vielfach läuft sich der Hund jedoch nach ein paar Schritten ein und die Lahmheit verringert sich mit der Bewegung. Nimmt der Hund eine Schonhaltung ein, um das erkrankte Gelenk nicht zu belasten oder vermeidet er bestimmte Bewegungen und verändert sein Gangbild, können das ebenfalls Hinweise auf eine beginnende Arthrose sein. Überdies stehen Hunde mit Arthrose nach dem Liegen teilweise schwerer auf oder wechseln beim Liegen unter Umständen auffällig oft die Liegeposition, um das betroffene Gelenk zu entlasten und die Schmerzen zu verringern.

Äußerlich kann man am arthrotisch veränderten Gelenk auch häufig sogar eine Verdickung und eine eingeschränkte Beweglichkeit feststellen. Kommt eine zusätzliche Entzündung im Gelenk hinzu (Arthritis) schwillt der Bereich an, ist auffallend warm und das Bewegen bereitet dem Hund große Schmerzen. Zuweilen lässt sich auch beobachten, dass sich der Hund an dem betroffenen Gelenk selbst beißt.

Behandlung und Prognose


Beobachtet man Veränderungen im Gangbild oder eine Schmerzhaftigkeit eines Gelenkes, respektive andere charakteristische Symptome einer Arthrose beim Hund, sollte man sich mit dem Hund einen Termin beim Tierarzt geben lassen, damit Röntgenaufnahmen des erkrankten Gelenks in zwei Ebenen Klarheit schaffen können. Die Diagnose erfolgt durch den Vergleich mit Bildern gesunder Gelenke, um den Schweregrad der Veränderung festzustellen. Zur Absicherung der Diagnose kann der Tierarzt überdies eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie), eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) sowie eine Computertomografie (CT) und/ oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) durchführen.

Eine frühzeitige Behandlung mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten kann nicht nur die Schmerzen des Hundes und die Symptome der Gelenksarthrose lindern, sondern überdies durch Präventivmaßnahmen, wie das Verabreichen von Arzneimitteln mit knorpelschützenden Wirkstoffen (Chondroprotektiva) eine weitere Schädigung des Gelenkes eindämmen – eine Therapie von Hunden im Anfangsstadium einer Gelenksarthrose ist erfahrungsgemäß bei 90 Prozent der betroffenen Hunde erfolgreich, was bedeutet, dass sich ihre Lebensqualität deutlich verbessert, auch wenn eine Arthrose beim Hund einen vorzeitigen Verschleiß und damit dauerhaften Schaden des Gelenkknorpels bedeutet.

Ist die Arthrose und die Degeneration des Gelenkes schon sehr weit fortgeschritten, empfiehlt sich eine Operation, bei welcher der Tierarzt eine Fehlstellung des Gelenks korrigieren und die Oberfläche des Knorpels chirurgisch glätten kann, um so die Reibung zu verringern. Teilweise kann es in sehr weit fortgeschrittenen Fällen auch notwendig sein, das betroffene Gelenk operativ zu versteifen (Arthrodese), respektive ein künstliches Gelenk (Endoprothese) einzusetzen.

Als langfristige Therapie ist die Physiotherapie beim Hund sinnvoll, um die Muskeln aufzubauen und damit die Gelenke zu stabilisieren und zu entlasten.

 

Wenn Schmerzmittel keine Lösung sind – Behandlung für Körper, Geist und Seele


Hüftdysplasie

Eine Arthrose betrifft allerdings nicht nur die Physis – also den Körper des Hundes. Auch seine Psyche leidet unter der degenerativen Erkrankung, wenn das reibungslose Zusammenspiel des gesamten Bewegungsapparates des Hundes, zu dem die passive (Knochen, Bänder und Gelenke) und die aktive (Muskeln und Sehnen) Beweglichkeit gehört, gestört ist.

Zum einen wirkt sich ein dauernder Schmerz auf die Stimmung des Hundes aus, denn die Unbeweglichkeit führt beim Rudeltier Hund, das gerne läuft und eigentlich in der Lage sein könnte, sich als „Raubtier mit Wolfsahnen“ selbst zu versorgen, zu psychischen Veränderungen – im Rudel wird das Tier, das der Gruppe nicht mehr nützlich ist und ihr zur Last fällt, schnell ausgegrenzt und würde verhungern, wenn es nicht mehr schnell genug ist, um seine Beute zu erjagen.

Ein Hund, der mit seinen Artgenossen nicht mehr mithalten kann, dem das Spielen nicht mehr möglich ist und der den Schmerz fürchtet, wenn er von anderen Hunden gejagt wird, neigt dazu, ängstlich, aggressiv oder gar depressiv zu werden.

Auch häusliche Situationen konfrontieren erkrankte Hunde mit dem Schmerz, wenn sie beispielsweise auf glatten Fliesen oder Laminatböden ausgleiten und es nicht schaffen, selbst wieder aufzustehen. Für die Hunde entsteht aber dadurch nicht nur Schmerz, sondern auch Stress, Angst und Unsicherheit.

Insofern ist es sinnvoll, das Umfeld für den erkrankten Hund zu optimieren, was bedeutet,

  • dass man mit ihm nicht zu einer Hundewiese fährt, wo er mit seiner Problematik konfrontiert wird, sondern Wege wählt, die der Hund problemlos und in seinem Tempo bewältigen kann
  • Die für die Muskulatur wichtige Bewegung kann durch Schwimmen erleichtert werden – dabei „läuft der Hund im Wasser, ohne sein Gewicht zu tragen, das die Gelenke belastet.
  • Statt der körperlichen  Auslastung kann der Hund auch geistig mit Suchspielen beschäftigt werden, damit er einen Ausgleich erhält und ihm nicht langweilig wird.
  • Glatte Böden sollten mit Teppichen abgedeckt werden. Auch Antirutschsocken können helfen, dass der Hund nicht ausgleitet
  • Treppen und der Weg ins Auto können mit Rampen überbrückt werden

Zum anderen verspannt sich zusätzlich auch die Muskulatur des Hundes, was zu einer veränderten Körperhaltung – der Schonhaltung – führt. Hierbei wird durch die Ausweichbewegungen des Hundes, die das kranke Gelenk entlasten sollen, die daran beteiligte Muskulatur überlastet. Mit der Zeit entwickeln sich bleibende Muskelverhärtungen und –verkürzungen sowie im weiteren Verlauf ein Muskelabbau (Muskelatrophie), aber auch eine Veränderung der Gelenkstatik gesunder Gelenke, durch „schlechten“ Zug auf sie. Überdies kann es zu Muskelentzündungen bzw. Muskelrissen kommen. Der Schmerz geht in dieser Phase nicht mehr alleine vom arthrotisch veränderten Gelenk aus, sondern betrifft nun auch die Muskulatur und wird im „Schmerzgedächtnis“ abgespeichert.

Um die Muskulatur aber geschmeidig und leistungsfähig zu erhalten, muss eigentlich der Schmerz ausgeschaltet werden. Behandelt man den Hund nun aber mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern, steigt das Risiko, dass sich der Hund nun gar nicht mehr schont, weil er das „Stoppschild des Körpers vor einer Überlastung“ – den Schmerz – nicht mehr fühlt. Dadurch kann die Zerstörung des Gelenkes noch schneller fortschreiten, obwohl es wichtig wäre, noch intakte Gelenkanteile so lange wie möglich durch die Verbesserung der Nährstoffversorgung zu erhalten, respektive gesunde Gelenke besser zu versorgen, um sie haltbarer gegenüber höherer Belastung zu machen und durch gezielte Bewegung eine Gelenkzerstörung zu verlangsamen oder im besten Fall zu verhindern.

Trotzdem ist es wichtig, dem Hund keine Schmerzen zuzumuten. Hilfreich können beispielsweise Beinwell-Umschläge sein, welche die Entzündung und den Schmerz lindern. Auch Massagen, welche die Muskulatur locker und leistungsfähig halten und den Hund entspannen, können unterstützend wirken – die Physiotherapie bietet hier viele Möglichkeiten, welche die Besitzer mit etwas Übung selbst anwenden können.

Mit Kräuterkraft gegen Knorpelschäden


Eine sehr gute Unterstützung zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung sind auch folgende Kräuter

  • Weihrauchharz (Boswellia serrata)

Es enthält 5 – 8 % Boswelliasäuren, die für ihre entzündungshemmende (antiphlogistische) Wirkungen bekannt sind. Entzündungen werden im Körper durch ein bestimmtes Enzym (5-Lipoxygenase) verursacht und sind durch Rötung, Schwellung, Ödembildung, Wärme und gestörte Organfunktion gekennzeichnet. Das Enzym fördert die Entstehung von sogenannten Leukotrienen, bei denen es sich um körpereigene Stoffwechselprodukte handelt, die für die Aufrechterhaltung von chronischen Entzündungen verantwortlich sind. Um einer Entzündung entgegen zu wirken, stoppt man die erhöhte Leukotrienen-Bildung im Organismus, indem man das Enzym inaktiviert – genau diese Aufgabe übernehmen die Boswellia-Säuren. Sie hemmen die Tätigkeit des Enzyms 5-Lipoxygenase. Darum wirkt das Weihrauchharz bei Arthrose stark entzündungshemmend und mittelstark schmerzlindernd. Überdies unterstützt es wichtige Stoffwechselprozesse im Organismus des Hundes und hilft zum Aufbau einer gesunden Magen-Darmflora (besonders wichtig nach dem Einsatz oder bei gleichzeitigem Einsatz von Medikamenten)  

  • Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Sie ist in Afrika heimisch und hat Früchte, die wie Krallen aussehen, was ihr auch den Namen eingebracht hat. Ganz hervorragend bei Gelenksproblemen wie Arthritis und Arthrose haben sich aber vor allem die knollenartigen Speicherwurzeln der Teufelskralle bewährt, denn sie können auch Knorpelsubstanz aufbauen und wirken sowohl schmerzlindernd und abschwellend, als auch entzündungshemmend durch dieHarpagide in der Teufelskralle, bei denen es sich um monoterpenoide Glukoside handelt, welche bei Einnahme als starke Entzündungshemmer wirken. So liegt ihr Haupteinsatzgebiet auch in der innerlichen Wirkung bei allen Arten von Gelenkschmerzen, aber sie wirkt auch bei Sehnenentzündungen.

  • Weidenrinde (Salix alba)

Sie enthält das Glykosid Salicin und die schmerzlindernde und entzündungshemmende Salizylsäure, die auch heute noch in synthetischer Form im verbreiteten Schmerzmittel Aspirin Anwendung findet. Neben ihrer entzündungshemmenden und schmerzlindernden Unterstützung für Arthrosepatienten trägt die harntreibende Eigenschaft dazu bei, die Toxine, welche durch Medikamente in den Organismus gelangten, auszuschwemmen.

  • Grünlippmuschelpulver (Perna canaliculus)

Die positive Wirkung dieser Muschel wurde vor Jahrzehnten Forschern entdeckt, denen auffiel, dass die Ureinwohner Neuseelands, die Maoris, auch im hohem Alter keine Gelenkprobleme zu kennen schienen – allerdings traf das auch nur auf die an der Küste angesiedelten Maoris zu. Auf der Suche nach der Ursache stießen die Forscher auf die Grünlippmuschel, die in der Ernährung der Küstenbewohner eine große Rolle spielte. Für ihre positiven Auswirkungen auf die Gelenke sind primär die in der Grünlippmuschel enthaltenen Glycosaminglycane und die speziellen Omega-3-Fettsäuren verantwortlich. Hierbei handelt es sich um Nährstoffe, die im Rahmen des Gelenkstoffwechsels besonders gut verwertet werden können, da sie eine hohe Affinität zu den Grundbausteinen der Gelenkflüssigkeit und der Gelenkknorpel ausweisen. Eine regelmäßige Fütterung von Grünlippmuschelpulver trägt deshalb dazu bei, die Gelenke optimal mit den Nährstoffen zu versorgen, welche die Funktion der Gelenke unterstützen. Überdies können Grünlippmuscheln dazu beitragen, den Anteil an Omega-3-Fettsäuren zu erhöhen und damit entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken.

  • Kieselerde (Silicium)

In Versuchen mit Kieselerde konnte nachgewiesen werden, dass die Kieselsäure im Plasma die Osteoblasten (Knochenbildner) stimuliert und dass die Siliziumaufnahme mit dem Futter eine günstige Wirkung auf die Knochengesundheit des Hundes ausübt. Überdies sorgt Silizium wahrscheinlich für die Quervernetzung bestimmter Moleküle, die für den Aufbau des Knorpels zuständig sind. Es wird überdies vermutet, dass Silizium sowohl bei der Bildung der Interzellularsubstanzals auch beim Calcium-Stoffwechsel beteiligt ist.

  • Gingko (Ginkgo biloba)

Der Gingko-Baum entstammt der Urzeit und hat sich bis heute in seiner ursprünglichen Form erhalten. Wie kein anderer helfen seine ledrigen Blätter das Gefäßsystem besser zu durchbluten. Dadurch wirken sie gegen Arthrose und Arthritis, aber sie versorgen den Organismus auch optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen.

  • Kurkuma oder Gelbwurz (Curcuma longa)

Er verfügt über wertvolle Curcuminoide (Dicinnamoylmethan-Derivate), die man in erster Linie als Cholagogum kennt, welche die Produktion der Galle so stark anregen, dass eine bessere Fettverdauung statt findet. Allerdings können die Curcuminoide mit weiteren interessanten, pharmakologischen Eigenschaften beeindrucken: In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass sie auch antioxidativ (freie Radikale neutralisierend), antimutagen (Erbgut-Veränderungen verhindernd), antikarzinogen (krebsverhindernd), immunstimulierend und entzündungshemmend wirken. Als Ingwergewächs (Zingiberaceaen) hat diese im tropischen Südostasien beheimatete Pflanze ähnlich positive, schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften wie der Ingwer, jedoch ohne über die magenreizenden Scharfstoffe zu verfügen.     

  • Katzenkralle (Uncaria tomentosa)

Sie verdankt ihre immense Heilkraft verdankt den sechs Alkaloiden, die in ihrer Rinde aktiv sind – ihren Namen erhielt das holzige Gewächs aus dem südamerikanischen Regenwald hingegen aufgrund der kleinen Dornen, die sich an den Blättern der Kletterpflanze befinden und deren Form an Katzenkrallen erinnern. Die indigenen Einwohner gaben der Katzenkralle sogar den Namen „Heilige Pflanze des Regenwaldes“ , denn sie schätzen ihre Heilwirkung schon lange. Bei Arthrose ist vor allem ihre entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaft relevant. Aber sie unterstützt auch die Entgiftung des Körpers und der Organe nach Medikamentengaben.

  • Ginseng (Panax Ginseng)

Ginseng gilt in seiner asiatischen Heimat als Allheilmittel und tatsächlich ist er ein sehr hilfreiches Kraut, das gegen vielerlei gesundheitliche Probleme wirkt und besonders zur Stärkung und Kräftigung nach längerer Krankheit in der Rekonvaleszenzzeit seinen Einsatz findet, weil es auch die Genesung fördert.

Außerdem ist die Stoffwechselwirkung des Ginseng im Sinne einer unspezifischen Reiztherapie erwiesen, was bedeutet, dass Ginseng die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisiert, die Leistungsfähigkeit wird gesteigert, die Anpassung an Stresssituationen und erhöhte Anforderungen werden verbessert, die Konzentrationsfähigkeit gesteigert und die Abwehrbereitschaft gegen Krankheitserreger wird gestärkt. Des weiteren ist die Wirkung des Ginseng entgiftend, was ihn besonders wichtig nach längerer Medikamenteverabreichung macht. Ginseng beschleunigt überdies die Regenerationsfähigkeit des Gewebes, wirkt entzündungshemmend und durchblutungsfördernd, was gerade im Hinblick auf die Arthrosebehandlung ein wichtiger Aspekt ist. Überdies verstärkt Ginseng andere, mit ihm zusammen verabreichte Heilpflanzen und erhöht ihre Bioverfügbarkeit im Organismus des Hundes.

Vitalnüsschen für gesunde Gelenke – Hanf hilft!


Hanf gewinnt in der Ernährungsergänzung von Tieren immer mehr an Bedeutung, denn das Öl aus den Samen ist im Gegensatz zum Drogenhanf, der aus den Blüten gewonnen wird, frei von psychoaktiven Substanzen – der THC-Wert (Tetrahydrocannabinol) liegt in einem so geringen Bereich, dass er keine Wirkung entwickelt und überdies enthalten auch die Hanfblüten lediglich die Vorläuferstoffe, die erst durch extremes Erhitzen aktiviert werden.

Die hanffressenden Hunde werden also ganz sicher nicht süchtig, dafür aber gesund, denn das Öl in den Hanfsamen ist besonders reich an lebenswichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (ca. 90%). Was den Hanf aber ganz besonders wertvoll macht, ist seine einmalige Zusammensetzung dieser mehrfach ungesättigten Fettsäuren und das ideale 3:1 Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren. Bemerkenswert ist neben den Omega-3 (15 – 25% Alpha-Linolensäure) und Omega 6-Fettsäuren (50 – 70% Linolsäure) die seltene und im Hanföl mit 2 bis 4 % enthaltene Gamma-Linolensäure (GLA) – sie unterstützt den Stoffwechsel und die Gelenksgesundheit.

Überdies enthalten die Ölsamen rein natürliche, organische und daher für den Organismus leicht verfügbare Verbindungen reichlich enthaltener Mineralien und Spurenelemente, wie Magnesium, Zink, Kalium, Calcium, Phosphor und Eisen, die antioxidativ wirkenden Vitamine C und E, essentielle B-Vitamine, sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide. Sie versorgen den Körper mit allen lebenswichtigen Nährstoffen, unterstützen ein starkes Immunsystem, den Aufbau gesunder Knorpelmasse und bringen den Organismus in eine gesunde, stabile Balance.

Eure  Sabine Bröckel – Tierheilpraktikerin

Hinweis

Dieser Text beruht auf eigenen Erfahrungen und Fachliteratur. Ein Heil- oder sonstiges Versprechen ist daraus nicht abzuleiten.

Für die korrekte Anwendung, Dosierung und Fütterung kann ich keine Haftung übernehmen. Jeder Tierhalter ist für seine Tiere, jede Tierhalterin für ihre Tiere, selbst verantwortlich. Stets sollte der Tierarzt/Tierärztin oder Tierheilpraktiker/in Eures Vertrauens bei einer Ernährungsumstellung zu Rate gezogen werden, denn jedes Tier verhält sich anders und reagiert möglicherweise unterschiedlich auf bestimmte Inhaltstoffe.

© Copyright Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin